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Briefmarkensammeln ist ein
weltweites Hobby. Das Interessengebiet des Sammlers überschreitet fast
immer die Grenzen des Heimatlandes. Trotz dieses Blickes in die weite
Welt besteht bei den Philatelisten der Wunsch, die Postgeschichte
ihres Wohnortes zu erforschen und die hierbei gewonnenen Erkenntnisse
in einer Heimatsammlung darzustellen. Gefördert wird diese
Forschungsarbeit durch die örtlichen Briefmarkensammler-Vereine, aber
auch die öffentlichen Verwaltungen zeigen an diesen Arbeiten ein
lebhaftes Interesse, denn mit der Postgeschichte ist oft auch die
verwaltungsmäßige Entwicklung verbunden.
Um die Erwartungen nicht zu hoch zu
schrauben, sei einleitend festgestellt, die bisherigen
Forschungsergebnisse nach der Postgeschichte von Nieder-Eschbach haben
nur einen bescheidenen Umfang. Sicherlich wurde seinerzeit auch in
Nieder-Eschbach - wie überall - jede Möglichkeit ausgenutzt,
Nachrichten zu übermitteln, d. h. Post zu befördern. Die gewöhnliche
Briefpost wurde damals durch Fuß- oder berittene Boten besorgt.
Interessant sind hier die Begriffe "Metzgerpost" und
"Fuhrmannsbriefe". Gegen Bezahlung nahmen die Metzger beim Viehkauf
und die Fuhrknechte bei ihren Fahrten übers Land Briefe, kleine
Päckchen und gelegentlich auch Personen mit. Gebräuchlicher war jedoch
die Mitnahme von Postsachen - insbes. Geldbriefe und Chargé-Briefe -
durch die Fahrpost, die bis zum Aufkommen der Eisenbahn Personen und
Pakete beförderte.
Mit der zahlenmäßigen Zunahme der
Bevölkerung stieg auch das Bedürfnis nach einem geregelten
Postbetrieb. Je nach Größe des Ortes wurden Postablagen,
Poststationen, Posthilfsstellen, Postagenturen und Postexpeditionen
eingerichtet, die sich später zu Postämtern der verschiedenen Klassen
entwickelten. In Nieder-Eschbach muss nach dem Stempelhandbuch der
Post von Thurn und Taxis eine Postablagestation bestanden haben. Es
handelte sich dabei um einen Briefkasten, in dem sich ein Stempel, an
einer Kette hängend, befand. Dieser Postablagestempel enthielt in
aller Regel nur den Ortsnamen. Der Postbote entleerte den Briefkasten
und stempelte die eingeworfenen Postsachen. Er stellte die Post auch
zu, soweit der Empfänger auf der festgelegten Wegstrecke erreichbar
war. Da die Gebühr für Postsachen früher durch den Empfänger zu zahlen
war, entstand für die Post kein Risiko. Zudem konnten auch die
verschiedenen Portostufen je nach Länge der Wegstrecke und Gewicht
berechnet werden. Schwierig war hierbei die Berechnung des Portos,
wenn der Weg durch mehrere der seinerzeit bestehenden Alt-Deutschen
Staaten führte und die verschiedenen Währungen zu berücksichtigen
waren: z. B. Gulden, Kreuzer, Schilling, Grote, Thaler usw. Die
Vorauszahlung des Portos galt damals als unhöflich, weil man dadurch
die Zahlungsfähigkeit des Empfängers infrage stellte.
Wie aus der Chronik von Nieder-Eschbach
bekannt, gehörte der Ort innerhalb des Großherzogtums Hessen
wechselweise zum Kreis bzw. Bezirk Vilbel oder Friedberg. Im
postalischen Bereich verhielt es sich ähnlich. Allerdings ist hierbei
zu berücksichtigen, dass die Post auch über Frankfurt am Main bzw.
Bonames abgewickelt wurde. Ein erster Nachweis über die im Jahre 1861
in Nieder-Eschbach bestehende "Poststelle" und über die Regelung der
Botengänge ergibt sich aus einem Streckenplan. Nach diesem
Streckenplan gehörte Nieder-Eschbach in dieser Zeit zur Postexpedition
Vilbel. Der Postbote war damals täglich 10,5 Stunden unterwegs, um die
angegebenen Postablagestellen bzw. Posthilfsstellen aufzusuchen. Die
jeweils eingetragene Aufenthaltsdauer war keineswegs als Pause zu
betrachten. In dieser Zeit mussten die vielfältigen Arbeiten bewältigt
werden.
Nach dem Wechsel der Posthoheit am 30. 6.
1867 vom Hause Thurn und Taxis auf den Staat Preußen und Gründung der
Deutschen Reichspost (1871) kam es in Nieder-Eschbach zur Einrichtung
einer Postagentur. Als Postagent ist der Name Seiboldt aufgeführt. Die
Preußische bzw. Kaiserliche Postagentur befand sich im Anwesen des
Landwirtes Wilhelm Seiboldt am Ende der damaligen Hauptstraße / Ecke
Obergasse (heutiger Staßenname: Alt-Niedereschbach). Die Postagentur
wurde wie in der Erbfolge von den Söhnen Georg und später Ludwig
Seiboldt fortgeführt. Aus dieser Zeit stammt auch der älteste bisher
bekanntgewordene Poststempel vom 25. 1. 1884. Bis wann die Familie
Seiboldt die Postagentur geführt hat, konnte nicht genau festgestellt
werden. Nach dem 1. Weltkrieg soll die Poststelle zunächst von
Johannes Heppner geführt worden sein. Untergebracht war zu dieser Zeit
die Post in dem Gebäude gegenüber dem Darmstädter Hof . Einen
vorläufig festen Platz erhielt die Post in dem ehemaligen Gasthof "Zur
Post" in der damaligen Hauptstraße, heute Alt-Niedereschbach.
Posthalter war Wilhelm Schüttler. Ihm folgte sein Sohn Johannes
Schüttler, der auch die Post in Nieder-Eschbach ausgetragen hat. Im
Gasthof "Zur Post" wurde auch die erste Öffentliche Fernsprechstelle
eingerichtet.
Laut Unterlagen des damals für
Nieder-Eschbach zuständigen Postamtes 60 (V) wurde am 1. Juni 1956 die
Poststelle vom Posthalter Hans Schüttler an den Postschaffner Walter
Bremer übergeben. Da kein geeigneter Raum zur Verfügung stand, wurde
die Poststelle vorübergehend in der Arrestzelle im Spritzenhaus des
Ortes - bei der evangelischen Kirche - untergebracht. Dieser Zustand
dauerte 13 Monate. Am 1. Juli 1957 stand für die inzwischen zum
Zweigpostamt umgewandelte Poststelle die zwischenzeitlich umgebaute
Schmiede bzw. Werkstatt des Hofgutes Biber zur Verfügung. Der ständig
anwachsende Postbetrieb machte die Einstellung einer Teilkraft
erforderlich. Angestellt wurde Frau Käthe Gresens, die viele Jahre
ihren Dienst verrichtete.
Die Gemeinde Nieder-Eschbach entwickelte
sich immer mehr zur Wohnstadt. Hinzu kam noch die Ansiedlung
zahlreicher Firmen im Industriegebiet. Um jedem Ansturm gewachsen zu
sein, wurde das Postamt im Erdgeschoss des Neubaus "An der Bornhohl
1A" eingerichtet. Der Dienstbetrieb konnte dort im Mai 1966
aufgenommen werden. Nach der Eingemeindung von Nieder-Eschbach zur
Stadt Frankfurt am Main am 1.8. 1972 trat im Postbetrieb zunächst
keine Änderung ein. Das Unterstellungsverhältnis zum Postamt 50 in
Frankfurt am Main, Eschersheimer Landstraße 475, blieb unverändert.
Das Postamt 56 in Bonames war weiterhin Verteilerstelle für
Nieder-Eschbach. Der beim Postamt in Nieder-Eschbach geführte
Poststempel behielt auch die Ortsangabe "Nieder-Eschbach.". Erst am 1.
2. 73 ergab sich hier eine Änderung. Am Vormittag des 1. 2. 73 war
noch der alte Stempel in Betrieb. Am Nachmittag des gleichen Tages
wurde dann der Poststempel mit der Bezeichnung "Frankfurt am Main 512"
benutzt. Somit führte das Postamt die Nr. 512. Am 31.Juli 1998 wurde
das Postamt "An der Bornhohl 11" im Rahmen von allgemeinen
Kosteneinsparungen geschlossen und "An der Walkmühle 33" in Roselind
Kösters Laden für Lotto- und Toto Annahme, Schreibwaren, Tabakwaren und
Spielwaren eine Postagentur eröffnet. Außerdem befindet sich seit 2005
in der Deuil-la-Barre-Str. 96 ein Postübergabepnkt. Hier wird die zu
verteilende Post von der Postverteilerstelle Ffm.-Gutleutstraße über
den Zustellstützpunkt Ffm.-Eschersheim nach Nieder Eschbach
weitergeleitet. Ab 9.00 Uhr an Werktagen wird von diesem
Postübergabepunkt durch 6 Zusteller die Post im Stadtteil ausgetragen.
Am Anfang dieser Abhandlung wurde
bereits darauf hingewiesen, dass es sich bei der Darstellung der
Postgeschichte von Nieder-Eschbach um einen Versuch handelt und das
Ergebnis der Nachforschungen nicht allzu reichhaltig ist. Ohne die
bereitwilligen Auskünfte von alteingesessenen Bürgern, ohne die
Zurverfügungstellung von alten Briefen und Karten und die
Einsichtnahme in die spärlich vorhandenen amtlichen Unterlagen wäre
dieser Bericht nicht zustande gekommen. Allen Stellen sei für ihre
Mitarbeit herzlich gedankt. Ob die noch ausstehenden Antworten auf
Anfragen bei den Archiven in Wiesbaden, Darmstadt und Regensburg
weiteren Aufschluss bringen, bleibt abzuwarten. Vielleicht ist diese
kurze Abhandlung Veranlassung, dass weitere alte Postbelege gesucht
und gefunden werden. Der Briefmarkensammler-Verein in Nieder-Eschbach
wäre dankbar, wenn ihm diese Dokumente zur Auswertung angeboten bzw.
zur Anfertigung von Fotokopien zur Verfügung gestellt würden.
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